Peter Riedemann: Vom Singen

Peter Riedemann, ein Vorsteher und Missionar der Hutterer und selbst Autor von über vierzig Liedern, gab eine Anweisung zum Singen in seiner „Rechenschaft“:

"Paulus sagt: Singet und psalmieret dem Herrn in euren Herzen mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, Eph 5; Kol 3. Darum sagen wir, dass geistliche Lieder zu singen gut, dazu auch angenehm sei vor Gott, so sie in rechter Weise und Art, das ist mit rechtem Aufmerken in der Furcht Gottes und durch das Anregen des Geistes Christi gesungen werden. Denn darum werden sie geistliche Lieder genannt, 2.Pet. 1, dass sie durch den Geist Gottes oder durch sein Anregen verfasst und hervorgebracht sind und dass sie den Menschen zur Gottseligkeit reizen und bewegen. Derhalben wie sie durch das Anregen oder Angeben des Geistes Christi verfasst und gemacht sind, so müssen sie auch durch desselbigen Geistes Anregen gesungen werden, soll es anders rechter Weise und Art geschehen und den Menschen nützlich sein. Wo es aber nicht geschieht und der Mensch nur aus fleischlicher Lust oder um des Wohlklingens willen singt oder war er solches daran suchet, der verkehrt es ins Fleischliche und Weltliche, und singet nicht geistliche, sondern buchstabische Lieder.

Desgleichen auch, der es um des Gesangs willen gerne höret, der höret sie buchstabisch und nicht geistlich, darum auch bei ihm ohne Furcht, und weil unrechter Weise gebraucht, gesungen und gehöret, sündiget der, so es thut, schwer wider Gott, Psalm 50, weil er sein Wort, das ihm zum Heil und Reizung zur Gottseligkeit gegeben war, zur Lust des Fleisches führet und zur Sünde brauchet. Also wird es ihm in Schaden verkehret, und wiewohl es an sich selber geistlich ist, so ist es demselbigen Menschen jetzt nicht mehr ein geistliches, sondern ein weltliches Lied, weil es nicht geistlich gesungen wird. Der es aber geistlich singet, der trachtet und denket einem jeglichen Wort darinnen auf das Fleißigste nach, wie weit und wohin es reiche, warum es dahin gesetzt sei, 2.Tim. 3, und wie es ihm zur Besserung diene. Der es nun also handelt, der singet dem Herrn zum Preis, sich selbst und auch andern zur Besserung und zur Reizung in der Frömmigkeit. Also ist es wohl gesungen, sonst aber vergebens. Auch gestatten wir nicht unter uns, dass andre denn geistliche Lieder gesungen werden."