Täuferlieder

Gesungene Geschichte

Seit den frühesten Anfängen des Christentums haben die Gläubigen mit großem Eifer Lieder verfasst und gesungen. Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass keiner Person der Geschichte je so viele Lieder gewidmet wurden wie Jesus Christus.

Die Täufer waren darin keine Ausnahme, auch wenn ihre Lieder unter „erschwerten Bedingungen“ entstanden. Als beispielsweise einhundertfünfzig Hutterer 1540 auf der Burg Falkenstein im Weinviertel gefangen lagen, wurden die so genannten „Falkensteiner Lieder“ geschrieben. Noch heute – fast ein halbes Jahrtausend später – werden diese von ihren Nachfahren in Amerika auf deutsch,  teils auswendig gesungen.

Die Märtyrerlieder sind häufig die Verarbeitung dieser harten menschlichen Schicksale. Da ihnen öffentliches Predigen untersagt war, verpackten die Täufer ihre Lehre in Lieder (gesungene Predigten). Nicht selten sind es auch fröhliche Loblieder für den Gott, um dessentwillen sie alles aufgegeben hatten. Zum Singen nahmen sie sich ausführlich Zeit – Lieder mit 30 und mehr Strophen sind keine Seltenheit!

Den Liedern wurde meistens eine volkstümliche Melodie zugrunde gelegt, die jeder kannte und die alle mitsingen konnten. Etwas seltsam scheint es, wenn über einem ernsthaften Märtyrerlied steht: „Im Ton: ,Es ging ein Fräulein mit dem Krug´ oder ‚Ein Blümlein auf der Heide’“. Doch gerade so hatten die Lieder eine starke Werbekraft, weil sie Todesverachtung ausstrahlten.

Ein Beispiel für ein Märtyrerlied

Wir schweifen in den Wäldern um
Man sucht uns mit den Hunden
Man führt uns wie die Lämmlein stumm
Gefangen und gebunden
Man zeigt uns an vor jedermann
Als wären wir Aufrührer
Wir sind geacht’ wie Schaf zur Schlacht
Als Ketzer und Verführer.

(Leonhard Schiemer, enthauptet in Rattenberg in Tirol am 14. Jänner 1528)