Feuer, Wasser oder Schwert

Der Rat von Zürich beschloss am 7.März 1526:

„Darum ergeht jetzt unserer genannten Herren ernstliches Gebot, Geheiß und Warnung, dass, ob in der Stadt oder in den ihnen unterstellten Gebieten fernerhin niemand, es seien Männer, Frauen oder Mädchen den andern wiedertaufen darf. Denn wer so weiterhin den andern taufen würde, den würden unsere Herren ergreifen und nach ihrem jetzt beschlossenen Urteil ohne alle Gnade ertränken lassen.“

Der Habsburger Kaiser Karl V. erließ am zweiten Speyrer Reichstag eine harte Verordnung gegen die Wiedertäufer, die sie im ganzen Reich für vogelfrei erklärte. Es gab kaum einen Flecken in Europa, wo sie ihren Glauben frei leben durften. Sie hatten die Schweizer Reformierten gegen sich, das gesamte katholische Habsburgerreich, ja selbst in vielen lutherischen Gegenden wurden sie verfolgt und getötet. Die Chronik der Hutterer liest sich stellenweise wie ein Frontbericht:

„Den obgemeldten Felix Mantz, den hat man in Zürich ertränkt um des wahren Glaubens und Tauf willen, hat also beständiglich mit seinem Leib und Leben die Wahrheit fein bezeugt. Nachmals Wolfgang Ule, den hat man zu Walza auch im Schweizer Land, mit Feuer verbrennt und hingericht, selbst elfter, sonderlich seine Brüder und die seine Gefährten waren. Bezeugeten also mannlich und ritterlich mit ihrem Leib und Leben bis inn Tod, dass ihr Glauben und Tauf aus der göttlichen Wahrheit gegründet wär. Auch Melchior Veit, der des Geörgen vom Haus Jakob oder Blaurocks Gefährt ist gewesen, ward zu Etach um des Glaubens willen verbrennt und hingericht. Also hat es sich durch Verfolgung und viel Trübsal ausgebreitet, die Gemein täglich gemehrt und des Herrn Volk bald zugenommen.“

Die Verfolgungen trugen maßgeblich zur rasanten Ausbreitung der Bewegung bei. Innerhalb weniger Jahre war der ganze süddeutsche Raum erfasst. Innerhalb von nicht einmal fünf Jahren waren fast alle prägenden Personen der Anfangszeit verhaftet, verhört, gefoltert und hingerichtet. Jörg Blaurock in Tirol, Balthasar Hubmayer in Wien, Hans Hut in Augsburg, Jakob Huter in Innsbruck. Michael Sattler verfasste eine bis heute prägende Gemeindeordnung: die Schleitheimer Artikel. Auch ihn ereilte dasselbe Schicksal. Im Verhör beantwortete er auch die Frage, wie ein Christ auf die Türkengefahr reagieren soll:

„Wenn der Türke kommt, soll man ihm keinen Widerstand leisten. Denn es steht geschrieben: Du sollst nicht töten. Wir sollen uns des Türken und anderer Verfolger nicht erwehren, sondern in strengem Gebet zu Gott anhalten, dass Er wehre und Widerstand leiste. Dass ich aber gesagt habe: Wenn Kriegführen recht wäre, wollt ich lieber gegen die angeblichen Christen ziehen, welche die frommen Christen verfolgen, fangen und töten, als gegen die Türken, das hat folgenden Grund: Der Türke ist ein rechter Türke und weiß vom christlichen Glauben nichts; Er ist ein Türke nach dem Fleische. Ihr dagegen wollt Christen sein, rühmt euch Christi, verfolgt aber die frommen Zeugen Christi und seid Türken nach dem Geist.“