Nachfolge und Kreuz

Die Reformation begann für die Täufer mit dem Ruf zur Umkehr. Sie hatte also zuallererst mit der persönlichen Entscheidung zu tun, Christus nachzufolgen. Der Glaube muss sichtbar sein und Früchte tragen, er muss aufrecht und beständig sein, treu und geprägt von der Liebe Christi. Das sind sehr hohe Ansprüche, doch es sind genau jene Ansprüche, die Jesus Christus an Seine Nachfolger zu allen Zeiten stellt:

„Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lukas 9,23)

Diese Worte klingen in den Ohren der Party- und Freizeitgesellschaft ebenso so unmöglich, wie zur Zeit Jesu selbst. Christ zu werden ist ein markanter, tiefer Einschnitt in der Biografie eines Menschen. Als Christ zu leben ist eine tägliche Übung, dem inneren Drang zur Selbstverwöhnung und Selbstverwirklichung zu widerstehen, um den Charakter Christi zur Entfaltung zu bringen.

Die Täufer fielen durch ihren Lebenswandel so positiv auf, dass man ihnen zuhörte, auch wenn es gefährlich geworden war, ihnen offen Sympathie zu zeigen. Die Bewegung breitete sich dementsprechend rasch aus, so dass die Nachfolge Christi – das Kreuz – neben der bildlichen Bedeutung bald die wörtlichste Auslegung erfuhr: Wer Christus nachfolgt, wird wie Er verfolgt werden, aber auch da hatten jene bibelfesten Christen in ihrer Misere das Wort Gottes auf ihrer Seite. Paulus schreibt:

„Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“ (2.Timotheus 3,12)

Der Lebensstil (!) zieht Verfolgung auf sich, denn er ist die handfesteste und unwiderlegbarste Predigt. Über Lehrfragen kann und wird man immer wieder streiten, aber ein christliches Leben in der Liebe Gottes ist über jede Kritik erhaben.

Ihr Lebensstil, ihre abgesonderte Gemeinde, ihre unerschrockene Predigt – all das hielt dem „christlichen Abendland“ den Spiegel vor. Offenbar konnte es diesen Anblick nicht ertragen und reagierte mit furchtbarer Wut. Man muss verstehen, dass die Täufer mit ihrer Radikalität die gesamte Gesellschaft infrage stellten. Menschen, die Gott in allen Bereichen des Lebens gehorsam sein wollen, sind zwar ein Segen für die Welt, aber – und das ist für die Mächtigen schwer zu verkraften – nicht mehr manipulierbar und deshalb nur bedingt regierbar. Die Verfolgung, die die Täufer traf, war über die Maßen hart und effizient.

Aber weil sie es gelernt hatten, sich selbst zu verleugnen und täglich das Kreuz auf sich zu nehmen, konnten sie auch das Kreuz der Verfolgung tragen.