Die Wiedergeburt – Vorraussetzung zur Besserung des Lebens

Das Ziel war, es besser und richtiger zu machen als die Reformatoren. Ist das nicht ein vermessenes Anliegen? Ihr Hauptvorwurf war ja, dass man – im ganzen gesehen – bei den Lutheranern und Zwinglianern keine Besserung des Lebens feststellen konnte. Eher im Gegenteil! Können diese jungen Männer – alle Ende 20, Anfang 30! – es tatsächlich besser?

Hans Schlaffer, ein ehemaliger Priester, der 1528 in Schwaz in Tirol als Täufer hingerichtet wurde, bekannte sehr selbstkritisch in einem Lied:

„Wiewohl ich noch empfind Anstoß / von Sünden groß.
In meinem Fleisch sich übet.
Das Gut’ ich nicht vollbringen kann. / Das bös’ Verlang’n
Das mich so hart betrübet.
Darum schrei laut ich arme Haut
Aus Herzens Gier, wer wird mich schier
Erlösen aus des Jammers Strauß / Und helfen aus dem Totenhaus?“

Sie waren doch Menschen wie wir alle, fehlerhaft und schwach – aber (und das trifft nicht mehr auf jeden zu!) mutig genug, sich das auch einzugestehen. Dieses Bekennen der eigenen Schuld und Sündhaftigkeit ist der Hauptpunkt täuferischer Verkündigung. Doch dabei bleibt sie nicht stehen. Aus der Verzweiflung über die Sünde wird der Ausweg des Evangeliums gezeigt. Menno Simons, ein norddeutscher Täufer, gibt ein sehr schönes Beispiel dafür:

„Dies Evangelium ist eine freudenreiche Botschaft von Gottes Gunst und Gnade gegenüber uns und von der Vergebung unserer Sünden durch Christus Jesus. Das nimmt der Glaube an durch den Heiligen Geist und sieht nicht auf seine frühere Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, sondern er hofft auf die Dinge, die nicht zu hoffen sind (Röm 4,18), und wirft sich mit vollem Herzen auf des Herrn Gnade, Worte und Verheißung, weil er wohl weiß, dass Gott wahrhaftig ist und in Seiner Verheißung nicht fehlgehen kann (Röm 3,4; Tit 1). Dadurch wird das Herz erneuert und bekehrt, gerechtfertigt fromm, friedlich und fröhlich. Ein Kind Gottes wird geboren. Es geht mit vollem Vertrauen zu dem Thron der Gnaden (Heb 4,11) und wird so ein Mitgenosse Christi und des ewigen Lebens.“

Ein Kind Gottes wird geboren! Das Herz wird erneuert – das ist die Antwort des Evangeliums auf unser Versagen. Kommt die „frohe Botschaft“ zuerst noch bitter und anklagend an unser Ohr, will sie doch zur Freude des befreiten Gewissens führen. Diese aber ist nicht ohne Umkehr zu erlangen. Gott selbst aber beginnt nun, ein Neues Leben in uns zu schaffen, zu formen und zu vollenden. Die Besserung des Lebens ist also Sein Wirken an Seinen durch den Glauben neugeborenen Kindern. Sie ist in jeder Hinsicht ein Wunder!