Bruch mit der Reformation - Die erste Taufe

Caspar Braitmichel bringt die Freiwilligkeit des Glaubens auf den Punkt:

„So ist der Glaube nicht zu erzwingen, sondern eine Gabe Gottes. Und Christus spricht zu Seinem Jünger: Will mir jemand nachfolgen (seht, so jemand will und Lust hat!), der verleugne sich selbst und nehm sein Kreuz auf sich.“

Wenn aber der Glaube nicht jedermanns Sache sei, dann kann die Kirche auch nicht eine Kirche des Herrn Jedermann sein, sondern nur eine Gemeinschaft derer, die Christus freiwillig nachfolgen wollen. So kam es am 21. Jänner 1525 zu einer folgenschweren Entscheidung. Einige Schüler Zwinglis – Konrad Grebel und Felix Mantz – vollzogen in Zürich die erste Taufe. In der Hutterer-Chronik wird uns dieses Ereignis beschrieben:

„Geörg vom Haus Jakob - genannt Blaurock - ist ... zu ihnen kommen, nämlich zum Konrad Grebel und Felix Mantzen, und hat mit ihnen geredt und sich erspracht Glaubenssachen halb. Seind auch der Sachen eins wurden miteinander und haben in reiner Furcht Gottes erkennt und befunden, dass man aus göttlichem Wort und Predigt ein rechten, in der Lieb tätigen Glauben müsst erlernen und auf den erkannten und bekannten Glauben den recht christlichen Tauf, in Verbindung mit Gott, eines guten Gewissens empfangen, in aller Gottseligkeit eines heiligen christlichen Lebens hinfüran Gott zu dienen, auch in Trübsal beständig zu bleiben bis ans Ende.

Und es hat sich begeben, dass sie sein beieinander gewesen, bis die Angst anging und auf sie kam, ja in ihren Herzen gedrungen wurden; da haben sie angefangen, ihre Knie zu beugen vor dem höchsten Gott im Himmel und ihn angerüft als ein Herzenskundigen und gebeten, dass Er ihnen wollt geben zu tun Seinen göttlichen Willen und dass er ihnen Barmherzigkeit wollt beweisen. Denn Fleisch und Blut oder menschlicher Fürwitz hat sie gar nicht getrieben, weil sie wohl gewisst, was sie darüber werden dulden und leiden müssen.

Nach dem Gebet ist der Geörg vom Haus Jakob aufgestanden und hat um Gottes Willen gebeten den Konrad Grebel, dass er ihn wöll taufen mit dem rechten christlichen Tauf auf seinen Glauben und Erkanntnis. Und da er niedergekniet mit solchem Bitt und Begehren, hat der Konrad ihn getauft, weil dazumal sonst kein verordneter Diener, solches Werk zu handlen, war. Wie nun das geschehen, haben die andern gleichweis an den Geörgen begehrt, dass er sie taufen soll. Welches er auf ihr Begehren auch also tät; und haben sich also in hoher Furcht Gottes miteinander an den Namen des Herrn ergeben, einer den anderen zum Dienst des Evangelii bestätigt und angefangen, den Glauben zu lehren und zu halten. Damit ist die Absonderung von der Welt und ihren bösen Werken anbrochen.“

Bis dahin genossen die Schüler Zwinglis relativ viel religiöse Freiheit, weil sie unter dem Schutz ihres Lehrmeisters und dadurch des Magistrates der Stadt standen. Mit der Taufe brachen sie aus dem geschützten Raum aus. Nun mussten sie ihr ganzes Vertrauen auf Gottes Führung setzen. Hat Er sie nicht erwählt und berufen? Wie könnte Er sie wieder fallen lassen?