Täufergeschichte

(Text: Alexander Basnar, "Wenn der Glaube Feuer fängt", CD Täuferlieder 2006)

Die Welt des frühen 16.Jahrhunderts war in mehrfacher Hinsicht spannend und spannungsgeladen: Der Frühkapitalismus trieb die Bauern in einen verzweifelten Aufstand, die Türken bedrohten Europa von außen und die Kirche, von der man sich geistliche Orientierung erhoffte, war äußerst reformbedürftig.

Unzufriedenheit und Unsicherheit fordern auch uns heraus, denn unsere Fragen sind bestenfalls oberflächlich anders: Eine Welt die in arm und reich, Freund und Feind und Wahrheit und Irrtum gespalten ist, fordert von uns tiefgreifende und wahrscheinlich sogar radikale Antworten.

Die Täufer - Was war das für eine Bewegung? Wer sind die Ahnherren jener seltsam anderen Glaubensgruppen, die in den USA und Kanada in Form der Amish-People, Hutterer und Mennoniten überlebt haben, deren Missionare im 20. Jahrhundert den Weg zurück nach Europa – ihrer ursprünglichen Heimat gefunden haben?

Sie kamen zum Teil direkt aus der Bauernkriegsbewegung, waren unzufrieden mit der Situation der Kirche und anfangs sogar enge Vertraute der Reformatoren. Als strikte Pazifisten hatten sie ganz andere Überlegungen zur Türkengefahr.

Die Reformatoren Martin Luther und Huldrych Zwingli arbeiteten in enger Verbindung mit den Fürsten und Obrigkeiten. Dieses Zusammenwirken von Glaube und Politik führte jedoch zu Kompromissen und verzerrte so manchen Aspekt der Botschaft Jesu. Luther befürwortete die brutale Niederschlagung der Bauern, der Züricher Reformator Zwingli starb als Feldkaplan in den schweizer Reformationskriegen. Johannes Calvin ließ in Genf Andersdenkende verhaften und sogar verbrennen. Zuletzt führte die Vermischung von Glaube und Politik in den dreißigjährigen Krieg.

Die Vertrauten Zwinglis – Konrad Grebel und Felix Mantz – erkannten in all den Fragen jener Zeit, dass Gerechtigkeit aus der Liebe des Einzelnen kommen muss, aber nicht verordnet werden kann. Weiters, dass die Liebe zur Wahrheit nicht erzwungen werden kann, sondern aus einem freiwilligen Glauben Gott gegenüber erwächst. Hatte Zwingli bereits Bedenken gegenüber der Kindertaufe geäußert, sie aber aufgrund des Vetos der Stadtregierung wieder fallengelassen, machten sie genau an dieser Frage ihren Protest fest: Die Taufe sei der Ausdruck einer persönlichen Entscheidung, dem Evangelium von Jesus Christus zu glauben und einen – wie sie sagten – in der Liebe tätigen Glauben erlernen zu wollen. Die Kindertaufe findet in der Bibel keine Grundlage.

„Christus zwingt niemand zu Seiner Herrlichkeit“, formulierte Felix Mantz. Er wurde unter Zustimmung Zwinglis 1527 zum Tod durch Ertränken verurteilt.