Häufig gestellte Fragen

Was ist mit Reformation gemeint?

Kirchliche Misstände führten bereits im ausgehenden Mittelalter zu großem Unmut in ganz Europa. Bewegungen, wie beispielsweise die Waldenser, die Hussiten und der englische Gelehrte John Wycliff, bereiteten den Boden Reformation vor. Besonders der Ablasshandel, wo zur Finanzierung des Petersdoms in Rom, mit der Höllenangst und dem schlechten Gewissen der Menschen Geschäfte gemacht wurden, brachte das Fass zum Überlaufen. Mit 95 These protestierte der Augustinermönch Martin Luther im Oktober 1517 öffentlich gegen diese Auswüchse und brachte einen damit einen Stein ins rollen. Vier wesentliche Grundsätze lagen seiner Reformation zu Grunde:

Allein die Heilige Schrift soll Grundlage der Glaubenslehre sein und nicht die kirchliche Tradition.
Allein Jesus Christus erwirkt mit seinem Heilswerk die Erlösung des sündigen Menschen.
Allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun.
Allein durch den Glauben wird der Mensch vor Gott gerechtfertigt, nicht durch gute Werke.

Was unterscheidet die Täufer (oft schmählich "Wiedertäufer" genannt) von den anderen reformatorischen Bewegungen?

Luther in Deutschland und Zwingli (später Calvin) in der Schweiz repräsentieren die beiden Hauptflügel der Reformation. Beide hielten am konstantinischen Staats- und Volkskirchenmodell fest. Die Täuferbewegung sah, dass sich dieses "Zwangskirchentum" nicht mit der Freiwilligkeit der Glaubensentscheidung im Neuen Testament vereinbaren ließ. "Christus tut niemand zwingen zu seiner Herrlichkeit", formulierte einer ihrer ersten Märytrer, Felix Mantz 1527. Somit wurde die Tauffrage zum ersten Streitpunkt mit Zwingli, und 1525 tauften die Täufer einander auf Basis ihrer freiwilligen Entscheidung, "einen in Liebe tätigen Glauben" zu erlernen.

In den 7 Artikeln des Schleitheimer Bekenntnisses 1527 legten sie weitere Standpunkte fest, die diese Bewegung kennzeichnete:

Die Taufe als freiwilliges Bekenntnis zu Jesus
Das Abendmahl nur für Getaufte
Gemeindezucht (Bann) für in Sünde lebende Gemeindemitglieder
Die Wahl der Gemeindeleiter durch die Gemeinde
Eidverweigerung im Sinne von blinder Untertänigkeit und der Wahrhaftigkeit, die in der Bergpredigt gefordert wird
Gewaltverzicht und Wehrdienstverweigerung
Trennung von Kirche und Staat

Wie viele Täufer gab es in Österreich?

Gerade in Österreich breitete sich diese Bewegung explosionsartig aus. Um 1530 war sie bereits in allen heutigen Bundesländern vertreten. Die hohe Anzahl an Hinrichtungen im Vergleich zu den anderen Flügeln der Reformation kann auf eine breite Verwurzelung in der Bevölkerung geschlossen werden. Es geht in jedem Fall in die Zehntausende - um 1600 lebten allein im Raum Weinviertel/Südmähren/Westsolowakei etwa 25.000 Täufer; das waren ca. 10% der dortigen Gesamtbevölkerung. Das entspricht in etwa der damaligen Einwohnerzahl von Wien. Die harte Reaktion der Obrigkeiten in ganz Europa zeigt deren panische Angst vor der Bedeutung dieser Bewegung.

Was ist in Österreich von der Täuferbewegung geblieben?

Im Zuge der überaus harten und blutigen Verfolgung von der ersten Stunde ihres Auftretens an, sowie nach dem Verlust des politischen Schutzes durch die protestantischen Stände nach der Schlacht am Weißen Berg (1620,) wurden die Täufer gewaltsam des Landes verwiesen oder (durch die jesuitische Gegenreformmation) rekatholisiert (Habaner). Ihre Nachfahren lassen sich noch heute durch typische Familiennamen regional ausmachen; ebenso erinnern einzelne Flurbezeichnungen bis in unsere Tage an ihre einstmalige Bedeutung.

Gibt es die Täuferbewegung noch heute?

Die direkten Nachfahren der Täuferbewegung leben in den drei Glaubensgemeinschaften der Mennoniten, Der Amish-People und der Huttterer fort und zählen weltweit insgesamt weit über 1 Million Mitglieder. Darüber hinaus gaben die Täufer den Anstoß für weitere Reformbewegungen, die in ihre Fußstapfen traten (z.Bsp. Baptisten). Besonders die Glaubensfreiheit in den neuen Kolonien in Amerika, aber auch in Russland unter der Zarin Elisabeth, bot ihnen den Raum, als Bewegung zu wachsen und zu überlebenn.

Wie hängen die modernen Freikirchen mit der Täuferbewegung zusammmen?

Die zentralen Überzeugungen der Täuferbewegung haben die weltweite freikirchliche Bewegung wesentlich beeinflusst. Dazu gehören.

Die freiwillige und bewusste Glaubensentscheidung, weshalb auch die meisten Freikirchen keine Säuglinge sondern nur mündige Menschen taufen. 
Die Selbstverwaltung der örtlichen Gemeinden von Gläubigen. 
Das missionarische Engagement.
Die Trennung von Kirche und Staat, was besonders in der Verfassung der USA zum Ausdruck kam.

Weltweit umfasst die von den Täufern maßgebllich beeinflusste freikirchliche Bewegung mindestens 600 Millionen Gläubige und stellt heute den am stärksten wachsenden christlichen Flügel dar; das obwohl sie keiner zentralen Hierarchie folgen, sondern aus vielen voneinander unabhängigen Strömungen besteht. Dazu gehören die Baptisten, die Evangelikalen Freikirchen, die Churches of Christ, die Brüdergemeinden, die Pfingstgemeinden und viel andere.